Vom Transporter zum Camper, Tipps zum Selbstausbau

Basisfahrzeuge

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Wenn Sie das nötige Kleingeld besitzen, um sich ein nagelneues Basisfahrzeug zu bestellen, nach Ihrem Geschmack, Ausstattung und Farbe, dann ist das toll. Der Ottonormalverbraucher sucht sich aber meistens ein gebrauchtes oder junges Fahrzeug aus. Da wir in den nächsten Monaten viel Geld und Herzblut in das Fahrzeug stecken, sollte dieses aber nicht zu viele Kilometer auf dem Buckel haben. Wir wollen das Fahrzeug ja mindestens 10 Jahre lang benutzen und es sollte daher schon in ordentlichem Zustand sein.

Und hier einige Aspekte:

Gesamtgewicht und Nutzlast

Bevor Sie sich ein gebrauchtes Basisfahrzeug kaufen, sehen sie sich die Papiere des Fahrzeugs genau an und zwar speziell das zulässige Gesamtgewicht und die Nutzlast. Es gibt durchaus auch Fahrzeuge, die nur noch 600 kg Nutzlastreserve für den kompletten Ausbau haben. Damit werden Sie Probleme mit dem Gewicht des Fahrzeugs bekommen.
Abhängig von der Serienausstattung kann das angegebene Gewicht im Fahrzeugschein sogar vom tatsächlichen Gewicht abweichen. Und das sogar um einige 100 kg. In immer mehr Ländern werden für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht auf Autobahnen spezielle Mautgebühren fällig. Dazu benötigt man meist eine "Go-Box" oder äquivalente Geräte in den entsprechenden Ländern. Die Mautgebühren sind bei Fahrzeugen über 3,5 Tonnen erheblich höher als für Fahrzeuge der leichteren  Klasse bis 3,5t. Wer diese Maut prellt, muss mit erheblichen Strafen rechnen.
Ich will nicht schwärzer malen als es ist, aber wenn wir schon eine Menge Geld in unseren Camper stecken, dann doch besser gleich in das richtige Modell mit entsprechenden Gewichtsreserven.

Gemäß europäischer Führerscheinnorm dürfen die meisten von uns nur noch Fahrzeuge bis 3500 kg Gesamtmasse fahren. Alle schwereren Fahrzeuge dürfen nur noch mit dem C1- Führerschein gefahren werden. Selbst wenn Sie noch den alten „Dreier“ besitzen und bis 7,49 Tonnen bewegen dürfen: denken Sie an Ihren Sohn, ihre Tochter. Vielleicht möchten sie den Campingbus auch mal ausleihen. Also gehen wir mal von einer „natürlichen“ Obergrenze von 3,5 Tonnen zulässigem Gesamtgewicht aus.
Für den Ausbau selbst sollten Sie schon mindestens 600-700 kg rechnen.
Kommt dann das Gewicht der Insassen und der Tankinhalte, oder zusätzliches Transportgut (Fahrräder, Motorräder, Surfbrett u.s.w.) hinzu, benötigen Sie schon 1000 kg Nutzlast oder besser mehr.
Speziell Fahrzeuge mit langem Radstand kommen schnell an ihre Gewichtsgrenzen.

Wird die Tragfähigkeit eines Rades an der Hinterachse überschritten, so bringt nur noch die Zwillingsbereifung etwas. Bei Fahrzeugen mit sehr langem Hecküberhang kann das Wippen des Aufbaus während der Fahrt dazu beitragen, dass die hinteren Räder erheblich stärker belastet werden, als es nach angegebener  Radlast zulässig ist. Zwillingsreifen wären dann die bessere Wahl. Üblicherweise sind Campingbusse bis 3,5 Tonnen aber mit Einzelbereifung an der Hinterachse ausgestattet, Zwillingsbereifung wird in der Regel erst ab 4 Tonnen Gesamtgewicht ausgeliefert.

Zwillingsreifen haben aber systembedingt auch Nachteile. So klemmt sich beim Fahren über Geröll gerne mal ein Stein zwischen die beiden Reifen und fliegt dann später bei höherer Geschwindigkeit wie ein Geschoß wieder heraus. Gelegentlich durchschlagen diese “Geschosse” sogar den Unterboden oder beschädigen das Fahrzeugblech schwer. Der Verschleiß ist höher als bei Singlebereifung und bei Belastung durch Fahrrinnen wird oft einer der beiden Reifen viel stärker belastet als der zweite Reifen.

Es ist also wirklich wichtig beim Ausbau zum Camper leichte Materialien zu verwenden um erst gar nicht in Zugzwang zu geraten. Welche dies im Detail sind, wie man Stabilität in die Möbel bekommt, und dennoch leichte Materialien verwendet, zeige ich im Detail in meinem Buch.

Single- oder Zwillingsreifen?

Serienhochdach oder nachgerüstetes Dach?

Bei Campingbussen besteht die Außenhaut in der Regel aus der originalen Blechhaut und diese wird, bis auf wenige Ausnahmen, auch nicht verändert. Bei der Wahl des richtigen Fahrzeugtyps werden also schon grundlegende Eigenschaften des Campers festgemauert, die sich später nur schwer korrigieren lassen.
Ich meine dabei beispielsweise die Platzierung von Fenstern und speziell die Form des Daches.
Ein Campingbus benötigt in jedem Fall Stehhöhe. Einen Urlaub in sitzender Position kann man theoretisch zwar auch verbringen, aber bei schlechtem Wetter muss man sich auch mal länger im Fahrzeug aufhalten. Fehlende Raumhöhe ist dann schon wirklich eine Zumutung an die Insassen.
Grundsätzlich sind wir beim Umbau zum Campingbus ziemlich frei und können das Fahrzeug nach Belieben bearbeiten. Aber einige Kriterien sind für die Zulassung zum „Sonder-KFZ-Wohnmobil“, wie der offizielle Ausdruck lautet, zwingend notwendig.
Die meisten Transporterhersteller bieten heute Fahrzeuge mit Flachdach, Hochdach oder Superhochdach an (H1, H2, H3). Für ausreichende Stehhöhe reicht normalerweise das Standardhochdach (H2) oder das Superhochdach (H3). Dieses besteht in der Regel noch aus Karosserieblech des Basisfahrzeugs. Wem das nicht reicht, der kann auch ein spezielles Kunststoffhochdach zusätzlich montieren, beispielsweise wenn die Betten im Hochdach untergebracht werden sollen oder bereits in Basisfahrzeug mit Flachdach vorhanden ist.
In vielen Fällen erhält der klassische VW-Bus ein aufstellbares Dach oder ein festes Zusatzdach. Der Vorteil beim Aufstelldach: ich kann damit in eine Tiefgarage fahren. Fahrzeuge ohne Hochdach bekamen früher auch kleinere Hubdächer im Stehbereich der Küche. Diese hatten auch die Aufgabe, die vom Gesetzgeber geforderte Stehhöhe im Kochbereich herzustellen. Man sollte diese Umbauarbeit aber vom Fachmann durchführen lassen.
Die Stabilität des Fahrzeugs wird dabei doch schon sehr beansprucht und ihr aufgeschnittenes Fahrzeug wird, wenn das Originalblechdach herausgeschnitten ist, wackelig wie eine geöffnete Fischdose.
Auch die Montage eines festen Kunststoffhochdaches sollte man dem Fachbetrieb überlassen, wenn man nicht sicher ist wie dies zu bewerkstelligen ist.
Fachbetriebe geben auch Tipps für den weiteren Ausbau, was z.B. die Verkleidung und Isolierung des zusätzlichen Hochdaches, oder das Einsetzen zusätzlicher Fenster oder Aufstelldächer betrifft.

Fahrzeughöhe
Die neue Fahrzeughöhe nach Anbringung eines Dachträgers sollte man kennen, aber in diesem Fall nutzt dies, mangels Beschilderung, auch nichts.

Hat das Fahrzeug Fenster?

Fenster bringen  Licht und Freundlichkeit in das Fahrzeug. Hat das Fahrzeug serienmäßig Fenster im späteren Wohnbereich? Dann müssen Sie Ihren Grundriss der Fensterplatzierung anpassen. Auch dafür gibt es zahlreiche Ideen. Aber man ist dann in der Gestaltung des Wohnraumes nicht mehr so flexibel, wie bei einem Fahrzeug ohne serienmäßig vorhandene Fenster
Grundsätzlich sollte man also, wenn man schon die Wahl hat, ein Fahrzeug ohne Fenster im Wohnbereich kaufen. Dies gilt auch für die Hecktüren oder die Schiebetür.
Leider bringen herkömmliche Glasscheiben nicht nur Kälte ins Fahrzeug, sondern sie beschlagen im normalen Wohnbetrieb an der Innenseite und werden im Winter oft beim Heizen klatschnass.
Sollte der Hersteller also Scheiben verbaut haben, so müssen diese gegen Isolierglasfenster ausgetauscht werden.

Das Fahrerhaus ist der Bereich, in welchem wir uns beim Reisen am meisten aufhalten. Es macht also durchaus Sinn, diesen Bereich durch Einsetzen einer Trennwand vom Wohnbereich abzutrennen. Durch fahrerhaustrennwandeine gut schließende Tür in dieser Trennwand kann man dann vom Fahrerhaus in den Wohnbereich wechseln. Diese Trennwand bringt sehr viele Vorteile mit sich: Geräuschminderung während der Fahrt, zusätzliche Einbruchsicherheit und vor allem eine thermische Trennung des gut isolierten Wohnbereichs vom nicht isolierbaren Fahrerhaus. An heißen Tagen ein Riesenvorteil. Da macht es Sinn, das Geklapper des Geschirrs und der Möbel  hinten zu lassen und in Ruhe mit dem akustisch abgeschirmten Fahrerhaus durch die Gegend zu cruisen.
Bei der Wahl des Basisfahrzeugs sollte man dann darauf achten, dass die Bestuhlung des Fahrerhauses einen Durchgang nach hinten ermöglicht. Man möchte ja nicht  ständig hinten aussteigen und vorne wieder einsteigen, wenn man den Aufenthaltsbereich wechseln möchte.
Daher sollte der Beifahrersitz als Einzelsitz, nicht als Doppelsitzbank konzipiert sein. Außerdem ist ein Beifahrerairbag sinnvoll und über weitere eventuelle Zusatzausstattungen sollte man sich ebenfalls vorher im Klaren sein. 

Fahrerhaus integrieren oder nicht?

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Gute Autos bauen sie heutzutage alle, entscheidend für die Kaufentscheidung ist aber auch der Service den ich vor Ort geboten bekomme. Was nutzt mir ein exotisches Modell wenn die nächste Fachwerkstatt ein paar hundert Kilometer entfernt ist. Oder man einen Termin für eine Reparatur oder Kundendienst erst in ein paar Wochen bekommt.

Alle Modelle haben Vor- und Nachteile. Sei es die Fahrzeughöhe, der Wendekreis, Fahreigenschaften, gerade Wände und vieles mehr.

Wichtig ist nicht nur “welches ist das Beste Fahrzeug” sondern die Antwort auf die Frage: “mit welchem Nachteil kann ich am ehesten noch leben”.

Eine Pauschalantwort gibt es darauf nicht, das muß jeder schon für sich selbst entscheiden.

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